Ernährung: Pizza und Kokain? Für euer Gehirn ist es das Gleiche

Wenn Ihr dem Cheeseburger oder Schokoladendonut manchmal einfach nicht widerstehen könnt, dann liegt das nicht daran, dass Ihr schwach oder undiszipliniert seid. Die menschliche Evolution hat es schlicht und einfach darauf angelegt bzw. es vorgesehen, dass Ihr die Kontrolle verliert, wenn es um bestimmte Kombinationen von Nährstoffe geht.

Lebensmittel mit einem hohem Fett- und Koholenhydrat-/Zuckeranteil kommen uns manchmal vor wie eine himmlische Verbindung. Sie schmecken so lecker, dass man dabei leicht übersehen kann, dass es tatsächlich nur sehr wenige Beispiele in der Natur gibt, bei denen diese beiden Nährstoffe in einem Lebensmittel vereint sind.

Für viele tausende von Jahren haben unsere Vorfahren ihren Körper mit Fett und Kohlenhydrate durch unterschiedliche Quellen versorgt: Fette von Fleisch und Samen, Kohlenhydrate von Gräsern, Wasserpflanzen, Blättern und Beeren. Es war extrem ungewöhnlich für die Menschen in der damaligen Zeit, die Nahrung zu einer einzigen Mahlzeit zu kombinieren. Als sich dann jedoch die frühe Landwirtschaft entwickelte, begannen man damit, verschiedene Lebensmittel zu verbinden, so wie z.B. bei stärkehaltigem Getreide und fettiger Milch.

Dann, in den letzten eineinhalb Jahrhunderten oder so, sind Lebensmittel mit einer Kombination aus Fetten und Kohlenhydraten die Norm für uns geworden: Pizza, Eiscreme, Müsliriegel, Kuchen – all diese Lebensmittel enthalten sowohl viel Fett als auch viel Zucker. Allerdings sind 150 Jahren nur ein Wimpernschlag im Vergleich zur gesamten menschlichen Evolution, sodass unsere Körper schlichtweg immer noch nicht so genau wissen, was sie mit dieser neuartigen Nährstoffkombination anfangen sollen.

Laut einer neuen Studie ist vor allem die Tatsache, dass unsere Körper einfach noch nicht an diese neuen Lebensmittelkombinationen  gewöhnt sind, schuld an der weltweiten Epidemie von Fettleibigkeit. So fühlen sich mittlerweile Millionen von Menschen machtlos, wenn es um die Wahl der richtigen Ernährung geht. Jetzt wissen wir aber zum Glück mehr über das „Warum“.

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Warum essen wir, was wir essen?

In einer Studie aus dem Magazin Cell Metabolism haben Wissenschaftler untersucht, wie das menschliche Gehirn auf Lebensmittel reagiert, in denen Fette und Kohlenhydrate vereint sind. Dazu haben sie ein anspruchsvolles System entwickelt, bei dem Freiwillige zwischen Bilder mit verschiedenen Lebensmitteln wählen sollten. Einige der Nahrungsmittel enthielten nur Fett, andere nur Kohlenhydrate und wieder andere eine Kombination der beiden.

Wenn nun die Teilnehmer ihre Wahl trafen, haben die Forscher eine Gehirn-Scanning-Technologie eingesetzt, um zu sehen, welche Teile des Gehirns dabei am aktivsten sind. Die Freiwilligen haben sich ausnahmslos für die Lebensmittel mit der Nährstoffkombination entschieden.

Das Forschungsteam vertrat die Theorie, dass die Wahl etwas mit dem Belohnungssystem im Gehirn zu tun hat, das als Reaktion auf Lebensmittel mit der größten Energiedichte eine große Menge „freudespendendes“ Dopamin freisetzt.

Hört sich ziemlich einfach an: Wenn wir die Wahl zwischen verschiedenen Lebensmitteln haben, wählen wir immer diejenigen, die uns am meisten „lebenserhaltende“ Energie spenden. Leider ist es aber ein wenig komplizierter als das.

Versteht Ihr eure „Post-Ingestions-Signale“?

Ob Ihr es glaubt oder nicht, unsere Organismen sind in der Tat extrem gut darin, die Energiedichte eines rein fetthaltigen Lebensmittels einzuschätzen, sobald wir es gegessen haben. Diese „Post-Ingestions-Signale“ sind wichtig damit wir wissen, wie viel wir essen müssen, um all die Kalorien aufzunehmen, die unser Körper für das tägliche Leben benötigt. Das Sättigungsgefühl gibt uns diesen unmissverständlichen Hinweis.

Aber aus irgendeinem Grund sind wir kaum in der Lage dazu, die selbe Einschätzung zu treffen, wenn wir kohlenhydratreiche oder fett- und kohlenhydratreiche Lebensmittel zu uns genommen haben. Einige der Signale wandern stattdessen direkt vom Darm zum Gehirn, wo sie die Ausschüttung von Dopamin veranlassen, einem Neurotransmitter, der dabei hilft, die Belohnungs- und Vergnügungszentren des Gehirns zu regulieren.

Das Forschungsteam nimmt an, dass sich verschiedene Darm-zu-Gehirn-Wege für unsere Ernährung entwickelt haben – einer für Fette und ein zweiter für Kohlenhydrate. Wie sich nun das menschliche Gehirn entwickelt hat, sollen sich auch diese beiden Wege verändert haben, sodass sie zu zwei unterschiedlichen Teilen im Gehirn führen, in denen Dopamin ausgeschüttet werden kann. Ein Teil schüttet demnach eine Dosis aus, wenn wir etwas fettiges essen (oder sogar schon wenn wir nur an ein fettiges Lebensmittel denken). Ein gänzlich anderer Teil des Gehirns wiederum belohnt uns für die Aufnahme von Kohlenhydraten.

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Hier kommt der Clou: Wenn wir die Wahl zwischen Lebensmitteln haben, die sowohl Fette als auch Kohlenhydrate enthalten, weiß das Gehirn nicht mehr so richtig was es tun soll, sodass am Ende wesentlich mehr Dopamin ausschüttet als für einen einzelnen der Nährstoffe. Und, Achtung Spoiler Alarm, wenn wir für etwas belohnt werden, tendieren wir natürlich auch dazu, es öfters zu tun.

Laut der Studie resultiert die Belohnung mit einer derartig hohen Menge an Dopamin darin, dass die Entscheidung zwischen fettigen und kohlenhydratreichen Lebensmittel weniger zu einer Frage der Wahl wird, sondern vielmehr zu einer Frage der Sucht.

Schlechtes Feedback vom Gehirn für schlechte Lebensmittel

Forscher nutzen oft Ratten oder Mäuse bevor sie mit Tests am Menschen beginnen. Die Wissenschaftler aus der genannten Studie geben an, dass Ratten sehr gut darin sind, die Kalorienmenge zu regulieren, wenn sie mit Lebensmitteln gefüttert werden, die entweder viel Fett oder viele Kohlenhydrate enthalten. Bekommen Sie jedoch Nahrung mit beiden Nährstoffen, verlieren sie ihre Fähigkeit die Nahrungsmenge zu regulieren völlig. In der Folge nehmen sie sehr schnell zu.

Und bei Menschen scheint es genauso zu sein. Unser Gehirn, unklar darüber wie es uns für bestimmte Lebensmittel belohnen soll, belohnt uns einfach zu gut. Uns gefällt die Belohnung natürlich, also wiederholen wir den Vorgang – und nehmen in der Folge zu.

Das alles mag keine großartigen Konsequenzen bedeuten, wenn wir etwas Getreide mit Milch und Honig (1 Gramm Fett und 27 Gramm Kohlenhydrate) zu uns nehmen. Schaut man sich allerdings einen Teller voll Donuts an, bei dem jeder einzelne Donut bereits 11 Gramm Fett und 17 Gramm Kohlenhydrate enthält, fällt es nun leicht sich vorzustellen, wie unser Gehirn automatisch dazu gebracht wird, uns zu helfen Gewicht aufzubauen.

Bei der Studie haben die Teilnehmer ihre Wahl anhand von Bildern getroffen, nicht von echten Lebensmitteln. Indem die Wissenschaftler Daten über die Bilder mit den Gehirndaten der Teilnehmer verglichen haben, konnten detaillierte Einblicke in denn eigentlichen Entscheidungsprozess und die Ursache für die Wahl bestimmter Lebensmittel gewonnen werden.

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Ein leckerer, aber bösartiger Zyklus

In der modernen Gesellschaft steht uns eine enorme Vielfalt an Lebensmitteln zur Verfügung. Wenn unser Gehirn nicht gut darin ist einzuschätzen, wie viele Kalorien wir aus Nahrungsmitteln mit Fetten und Kohlenhydraten aufnehmen und wir diese Lebensmittel dennoch an jeder Ecke bekommen, nun, dann fangen da die Probleme an.

Wir kommen irgendwann an einen Punkt, an dem unser Gehirn auf diese Fette-Kohlenhydrate-Kombination reagiert wie auch auf andere Substanzen, die uns einen riesigen Dopaminschub verleihen. Diese anderen Substanzen? Drogen.

Wie die Forscher sagen: „Ein Mechanismus, durch den die moderne Nahrungsmittelumgebung das Überessen fördern kann, besteht darin, Fette und Kohlenhydrate zu kombinieren, um die Belohnung zu potenzieren und somit den Übergang zu gewohnheitsmäßigen Reaktionen zu erleichtern, wie dies auch bei Drogen beobachtet wird.“

Kompliziert Sprache, doch die Bedeutung ist dennoch einfach: Wenn wir solche Lebensmittel essen kann dies genauso abhängig und süchtig machen wie Drogen – egal ob Heroin, Kokain oder Nikotin.

Es mag komisch sein, in einen Supermarkt oder ein Restaurant zu gehen und diese Nahrungsmittel wie verschiedene Arten von Drogen zu betrachten, aber es wäre  ehrlich gesagt ganz passend. Es hilft einem zu realisieren, was ein bekannter Spruch so schön sagt: „Der Kampf ist real.“

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