Ernährung: Die Wahrheit über Süßstoffe

Man kann keine 5 Minuten im Internet surfen ohne dabei auf nicht mindestens einen Artikel über Zucker zu stoßen – sei es über dessen Gefahren oder über Tipps, wie man seinen Zuckerkonsum reduzieren kann. Ich selbst habe kein Problem damit, wenn sich die Leute über Zuckerzusätze und die Vorteile von gesunder Ernährung bewusst werden, doch leider werden über das Internet auch immer viele Falschinformationen verbreitet.

Ich werde euch in diesem Artikel deshalb nicht sagen, welchen Süßstoff Ihr verwenden oder viel Zucker Ihr am Tag zu euch nehmen solltet. Für mich ist es viel wichtiger, euch die eindeutigen Fakten darzulegen und somit mit einigen weit verbreiteten Mythen aufzuräumen.

1. Kekse mit Ahornsirup sind nicht „zuckerfrei“

Man sieht diese Aussage vor allem bei Rezepten auf diversen Blog. Dort heißt es „zuckerfreie Brownies“ oder „zuckerfreie Kekse“ und man findet ganze Listen mit „zuckerfreien Snacks für Kinder“. Und ja, die Rezepte enthalten keinen weißen Tafelzucker – dafür allerdings Ahornsirup, Agavendicksaft oder Honig. Auch bei diesen Süßstoffen handelt es sich um ZUCKER. Wenn große Organisationen wie die WHO empfehlen auf Zuckerzusätze zu verzichten oder den Zuckerkonsum zu reduzieren, dann meinen sie damit sie damit sowohl weißen Tafelzucker als auch Maissirup, Fruktosesirup, Honig, Agavendicksaft, Rohrzucker und Ahornsirup. All diese Süßstoffe werden nämlich in eurem Körper in Energie umgewandelt, bei ALLEN handelt es sich um Zucker.

2. Brauner Zucker ist nicht gesünder als weißer Zucker

Weil er braun ist und deshalb natürlicher aussieht, wirkt brauner Zucker gesünder und nahrhafter. Er ist es aber nicht. Brauner Zucker ist lediglich weißer Zucker, der mit Sirup eingefärbt wurde und Farbe und Geschmack ein wenig zu verändern. Der Sirup sorgt aber keinesfalls dafür, dass der Zucker gesünder wird oder mehr Nährstoffe erhält.

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3. Sirup ist kein neuer Messias

Es stimmt zwar, dass schwarze Melasse reich an Eisen und Kalzium ist, doch aufgrund des bitteren Geschmacks verwenden sie nur wenige Leute zum Kochen oder Backen. Ein Esslöffel ungesättigter Melasse oder Sirup, wie sie üblicherweise in der Küche verwendet werden, enthält ca. 40 mg Kalzium (Kinder benötigen pro Tag etwa 1.000 – 1.300 mg) und 0,9 mg Eisen (Kinder benötigen etwa 8-10 mg pro Tag). Gleichermaßen bedeutet ein Löffel Sirup für ein Kinde zwischen 7 und 8 Jahren aber auch bereits fast die Hälfte der täglich empfohlenen Höchstmenge an Zucker. Anstatt also darauf zu vertrauen das Sirup gesünder ist Zucker, sollte man sich die benötigten Nährstoffe lieber gleich über andere Lebensmittel holen.

4. Kuchen und Gebäck mit Kokosblütenzucker sind nicht „gesünder“ oder „natürlicher“

Es gibt keinen Zweifel daran, dass der Ausdruck „gesund“ immer im Auge des Betrachters (oder des Rezepterstellers) liegt. Aber es gibt mittlerweile so viele Rezepte für Donuts, Kekse und Kuchen die allesamt als gesund und natürlich deklariert werden, nur weil in ihnen Kokosblütenzucker oder Honig statt weißem Haushaltszucker verwendet wird. Können wir uns alle darauf einigen, dass ein Schokoladenkuchen – ganz gleich wie er gesüßt wurde – nicht auf die gleiche Art und Weise gesund sein kann wie z.B. Spinat? Auch Kokosblütenzucker ist und bleibt ZUCKER, auch wenn er geringfügig andere Eigenschaften als der bekannte Haushaltszucker hat.

5. Kokosblütenzucker ist kein Superfood

Kokosöl ist nach wie vor extrem populär. Daher ist es auch keine Überraschung, dass Kokosblütenzucker momentan ebenfalls voll im Trend liegt. Hergestellt aus den Blüten der Kokospalme hat er die gleiche Menge an Kalorien (384 kcal pro 100 Gramm) und Kohlenhydraten (ca. 100 Gramm pro 100 Gramm). Der glykämische Index (GI), welcher angibt wie schnell ein Lebensmittel den Blutzuckerspiegel nach dem Verzehr beeinflusst, von Kokosblütenzucker ist im Vergleich zu Haushaltszucker jedoch wesentlich niedriger (35 zu 60). Jedoch spiegelt der GI nicht immer zwangsläufig die realen Bedingungen wieder. So hat eine Banane z.B. einen höheren glykämischen Index als Kokosblütenzucker. Wird sie dadurch aber auch ungesünder als Kokosblütenzucker?

Ich habe auch schon Behauptungen gelesen, dass Kokosblütenzucker voller Nährstoffe stecken würde. Doch wo? Ein kurzer Blick auf die Nährwerttabelle verrät, 0 Gramm Ballaststoffe, Proteine, Vitamin A, Kalzium, Vitamin C oder Eisen. Man müsste also schon riesige Mengen Kokosblütenzucker zu sich nehmen, um dadurch nennenswerte Mengen an Nährstoffen (mit Ausnahme von Kohlenhydraten) zu bekommen.

6. Honig ist kein „natürlicher“ Zucker

Wenn Ernährungsexperten von „natürlichem“ Zucker sprechen, dann reden sie dabei nicht von Honig oder Ahornsirup. Vielmehr meinen sie damit den natürlich vorkommenden Zucker in Milchprodukten (Laktose genannt) oder Früchten (Fruktose genannt). Honig, Ahornsirup oder andere Arten von Sirup gelten allesamt als Zuckerzusätze, was bedeutet, dass sie von den Lebensmittelherstellern oder von uns selbst hinzugefügt werden, um einen besseren Geschmack zu erzielen. Und genau bei diesen Zuckerzusätzen sollten wir vorsichtig sein und sie, unserer Gesundheit zur Liebe, nur in Maßen zu uns nehmen.

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Fazit

Verwendet die Süßungsmittel, die euch am besten schmecken. Wenn dass Bienenhonig ist, sehr schön. Wenn es weißer Tafelzucker ist – auch kein Problem! Aber egal für welches Süßungsmittel Ihr euch auch entscheidet, verwendet es in Maßen! Keines steckt so voller Nährstoffe oder Vitamine, dass man es tonnenweise in sich hineinschütten sollte. Und wenn Ihr das nächste Mal im Internet lest, einer dieser Süßstoffe wäre reich an Nährstoffen, dann schaut euch doch mal auf welche Mengen sich diese Aussage bezieht – ist es ein Esslöffel (was okay wäre) oder sind es mehrere Hundert Gramm?

Ebenso wichtig: Das Süßungsmittel sollte nicht euren Meinung zu einem Lebensmittel oder Gericht verändern. In anderen Worten: Ein Donut, der mit Honig anstatt mit Zucker gesüßt wurde bleibt trotzdem ein (eher ungesunder) Donut. Und Ihr ernährt euch nicht „clean“ und „gesund“, nur weil Ihr eure Brownies neuerdings mit Ahornsirup macht …