Fitness: Die Wirkung von Zeitumstellung und Tageslicht auf die Gesundheit

Die Zeitumstellung von Sommer- auf Winterzeit sowie Winter- auf Sommerzeit ist in den letzten Jahren immer stärker kritisiert worden. So wird inzwischen bereits ernsthaft über die Abschaffung der Zeitumstellung nachgedacht. Der Grund dafür sind vor allem gesundheitliche Bedenken. In diesem Artikel erfahrt Ihr, welche Auswirkungen die Zeitumstellung auf den menschlichen Körper hat und wie Tageslicht unsere Gesundheit beeinflussen kann.

Die Bewohner der nördlichen Hemisphäre konnten sich vor kurzem über „eine zusätzliche Stunde“ Schlaf freuen, da die Uhren von 3 Uhr auf 2 Uhr nachts zurückgestellt wurden. Doch ist es wirklich so einfach? Nein, denn die Zeitumstellung ist in der Realität der Sommerzeit ist viel komplizierter – besonders für unseren Körper! Deshalb möchte ich euch in diesem Artikel darüber aufklären, wie es überhaupt zum Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit gekommen ist und wie die Zeitumstellung gesundheitliche Probleme verursachen kann.

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Der Grund für die Zeitumstellung

Als die Sommerzeit 1784 erstmals von Benjamin Franklin vorgeschlagen wurde, postulierte er, dass durch das Vorstellen der Uhren im Sommer weniger Kerzen benötigt werden, da mehr Tageslichtstunden vorhanden sind. Seitdem haben verschiedene andere Wissenschaftler und Politiker behauptet, dass die “künstliche” Verlängerung der Tage zu einem geringeren Energieverbrauch in der einen oder anderen Form führen würde. Im Jahr 1916 führten Deutschland und Österreich-Ungarn als erste Länder das System ein – und seitdem wird es von verschiedenen Nationen auf der ganzen Welt immer wieder verwendet. Während der Energiekrise der 1970er Jahre erfuhr die Sommerzeit in Europa und Nordamerika dann letztendlich eine massive und dauerhafte Verbreitung.

Inzwischen gibt es viele Menschen, die die Praxis der Zeitumstellung in Frage stellen und offen über deren Abschaffung diskutieren. Landwirte zum Beispiel kritisieren das System schon seit jeher, da sich die Pflege der Tiere und Feldfrüchte nach der Sonne und nicht nach der Uhr richtet. Verschiedene Jurisdiktionen in großen Ländern wie den USA und Kanada haben ebenfalls Probleme mit der Zeitumstellung, da die geografische Lage innerhalb ihrer Zeitzone dafür sorgt, dass die Synchronisierung der Zeitumstellung und Tageslichtstunden in diesen Gebieten völlig außer Verhältnis geraten. Am wichtigsten ist allerdings, dass inzwischen zahlreiche Studien nachgewiesen haben, dass die erwarteten Energieeinsparungen durch die Zeitumstellung NIE eingetreten sind – die ursprüngliche Rechtfertigung für die Zeitumstellung wird also in ein äußerst zweifelhaftes Licht gerückt!

Wie sich Zeitumstellung und Tageslicht auf die Gesundheit auswirken

Obwohl die Zeitverschiebung um eine Stunde auf den ersten Blick marginal erscheint, kann bereits diese eine Stunde dramatische Auswirkungen auf unsere innere biologische Uhr haben und unseren Schlaf massiv beeinträchtigen. Während der gesunde Menschenverstand nahelegen würde, dass wir bei der Umstellung von Winter- auf Sommerzeit im Frühjahr eine Stunde Schlaf verlieren und beim Wechsel von Sommer- auf Winterzeit im Herbst eine Stunde gewinnen, hat die Forschung nachgewiesen, dass dies nicht der Fall ist. Im Frühling ist unser Schlaf oft bis zu fünf Tage nach dieser kleinen Zeitmanipulation ernsthaft gestört. Im Herbst schafft es unser Körper zwar, sich viel schneller auf die Zeitumstellung einzustellen, aber die Vorstellung, dass Menschen dadurch eine zusätzliche Stunde Schlaf gewinnen, hat sich dennoch als Trugschluss erwiesen.

Die oben erwähnte Zeitumstellung im Frühjahr kann erhebliche gesundheitliche Probleme nach sich ziehen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben beispielsweise gezeigt, dass in der Woche nach der Zeitumstellung das Herzinfarktrisiko deutlich höher ist als in der Woche davor. Andere Studien haben ein erhöhtes Risiko für Schlaganfälle, Gefäßprobleme und Gerinnungsprobleme aufgezeigt.

Andere Auswirkungen der Zeitumstellung

Als weiteres positives Ergebnis der Zeitumstellung nennen Befürworter der Sommerzeit neben der Energieeinsparung eine Reduzierung der Verkehrsunfälle. Durch die Zeitumstellung und die damit verbundene Verlängerung der Tageslichtstunden wurde angenommen, dass die Straßen in dunklen Monaten ein wenig sicherer wären. Mehrere Studien haben sich mit dieser Frage beschäftigt – und dennoch gibt es bisher keine überzeugenden Erkenntnisse darüber, dass diese Theses wirklich haltbar ist. Unter einer großen Anzahl von Beobachtungsstudien, die sich mit der Verkehrssicherheit rund die Zeitumstellung befasst haben, sind die Ergebnisse bisher absolut widersprüchlich. Einige Studien konnten augenscheinlich eine Reduzierung der Verkehrsunfälle nachweisen, während andere Untersuchungen hingegen eine deutliche Zunahme proklamierten. Der größte Teil der Studien (fast die Hälfte) hingegen konnte gar keine signifikanten Effekte nachweisen.

Ein Ergebnis, das mein Interesse wirklich geweckt hat, stammt aus einer Gruppe von neun Studien, die die Auswirkungen der Zeitumstellung auf verschiedene Arten von Verkehrsteilnehmern untersuchten. In diesen Studien gab es keine Veränderungen in der Häufigkeit von Kollisionen für Autos – allerdings gab es deutliche Rückgänge bei Unfällen mit Fußgängern und Radfahrern. Eine dieser Studien berichtete über eine Reduktion der Unfallzahlen bei Fußgängern um 36 % und bei Radfahrern um 11 %, was zweifellos auf die verbesserte Sichtbarkeit dieser Verkehrsteilnehmer bei Tageslicht zurückzuführen ist. Dies ist, so könnte man argumentieren, der positivste Effekt, der nachweislich von der Zeitumstellung auf die Sommerzeit herrührt.

Wie man die Auswirkungen der Zeitumstellung reduziert

Um die Auswirkungen der Zeitverschiebung zu minimieren, könnt Ihr viele der gleichen Tipps und Tricks anwenden, die man auch bei Flugreisen über mehrere Zeitzonen hinweg nutzt, um den Jetlag zu bewältigen:

  • Richtet euch beim Schlafengehen und Aufstehen nach eurer inneren Uhr, nicht der mechanischen! Es mag verlockend sein, eine weitere Stunde wach zu bleiben, aber dies kann zu gesundheitlichen Problemen führen.
  • Achtet in der Nacht der Zeitumstellung auf eine gute Schlafhygiene (besser noch immer!). Zu den wichtigsten Dingen dabei gehören der Verzicht auf Koffein am Abend, Ablenkungen durch Smartphone, Fernseher und Co. auf ein Minimum zu reduzieren und das Training am (späten) Abend zu meiden.
  • Gönnt eurem Körper am Morgen nach der Zeitumstellung ein wenig Tageslicht durch die (hoffentlich strahlende) Morgensonne. Das kann effektiv dabei helfen, eure innere Uhr zurückzusetzen.
  • Versucht weitestgehend auf Nickerchen, Mittagsschläfe usw. zu verzichten. Wenn Ihr jedoch innerhalb von zwei bis drei Tagen nach der Uhrenumstellung noch stark unter Schlafmangel leidet, ist ein Nickerchen bzw. Power Nap tatsächlich eine gute Möglichkeit, das Schlafdefizit aufzuholen.

Wenn euch und eurer Gesundheit die Zeitumstellung besonders schwer fällt, solltet Ihr euch darauf entsprechend schon im Vorfeld vorbereiten. Passt eure Schlafens- und Aufstehzeiten um 20 Minuten pro Tag über einen Zeitraum von drei Tagen an, damit euer Körper sich im Vorfeld an die Umstellung gewöhnen kann und von der Umstellung um eine ganze Stunde nicht zu sehr überrumpelt wird.

Fazit

Eine Fülle an wissenschaftlichen Studien deutet darauf hin, dass die Zeitumstellung ungesund und nicht nachhaltig ist. Trotzdem sind die bisherigen Versuche zur Abschaffung der Zeitumstellung bisher nur halbherzig und ohne Nachdruck geführt worden. Auch wenn Tageslicht per se gut für unsere Gesundheit ist, so führt die künstliche Verlängerung der Tage durch die Zeitumstellung ebenfalls zu gesundheitlichen Problemen – es wird also höchste Zeit, dass wir etwas dagegen tun!

Referenzen

Carey, R.N. & Sarma, K.M. (2017). Impact of daylight saving time on road traffic collision risk: A systematic review. Abgerufen von https://bmjopen.bmj.com/content/bmjopen/7/6/e014319.full.pdf 

Manfredini, R. et al. (2019, March 23). Daylight Saving Time and Acute Myocardial Infarction: A Meta-Analysis. Agerufen von https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6463000/ 

Roenneberg, T. et al. (2019, June). Why Should We Abolish Daylight Saving Time? Abgerufen von https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31170882/