Ernährung: Hilft Rotwein gegen Herzkrankheiten?

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Viele von uns lieben es, gelegentlich ein oder zwei Gläser Rotwein zu trinken. Aber ist Rotwein gesund für unseren Körper? Heutzutage wird viel darüber spekuliert, ob Rotwein dazu beitragen kann, Herzkrankheiten und anderen chronischen Krankheiten vorzubeugen. Doch ist an diesen Vermutungen auch etwas Wahres dran? Werfen wir in diesem Artikel doch mal einen genaueren Blick auf die Wissenschaft.

Die Basics über Rotwein

Viele Ernährungsexperten sind der Meinung, dass Rotwein in Maßen einen guten Cholesterinspiegel, einen gesunden Blutdruck und die allgemeine Herzgesundheit fördern kann. Es gibt zudem eindeutige epidemiologische Beweise dafür, dass Alkohol – wenn er in Maßen genossen wird – das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringert [1].

In einer großen Meta-Analyse (13 Studien mit über 200.000 Patienten) konnte nachgewiesen werden, dass Konsum von Rotwein das Arterioskleroserisiko (Plaquebildung in den Arterien) um 37 % verringert [2]. Bier hatte zwar eine ähnliche, dafür aber geringere Wirkung – was darauf hindeutet, dass Rotwein über den Alkoholgehalt hinaus zusätzliche Vorteile hat [2]. Es ist an dieser Stelle aber auch wichtig, darauf hinzuweisen, dass die bisherigen Beweise nicht zu 100 % eindeutig sind, da es auch einige Untersuchungen gibt, die keinen Unterschied zwischen Rotwein und anderen alkoholischen Getränken nachweisen konnten [3,4]. Die optimale Dosis scheint nach bisherigem Stand der Wissenschaft ein Glas pro Tag (150 Milliliter) für Frauen und zwei Gläser pro Tag für Männer zu sein [5,6].

Aber was ist an mäßigem Alkoholkonsum und speziell an Rotwein nun eigentlich gesund? Bisher haben die Forscher die Liste auf drei elementare Dinge eingegrenzt: Die Senkung des Blutdrucks, die Bereitstellung von Antioxidantien und eine Substanz namens Resveratrol.

Senkung des Blutdrucks

Rotwein wirkt als Vasodilatator in den Arterien, insbesondere bei Patienten mit Bluthochdruck [5]. Mit anderen Worten: Er öffnet (erweitert) die Blutgefäße und fördert so einen gesunden Blutfluss. Infolgedessen fließt das Blut leichter, sodass das Herz weniger arbeiten muss, um das Blut in den Rest des Körpers zu pumpen. Die wissenschaftliche Forschung zeigt auch, dass Rotwein und entalkoholisierter Rotwein den Blutfluss in der Arteria brachialis bei gesunden Personen verbessert und den Blutdruck bei Zigarettenrauchern senkt [5].

In einer von Chiva-Blanch et al. durchgeführten Studie wurde festgestellt, dass entalkoholisierter Rotwein sowohl den systolischen als auch den diastolischen Blutdruck senkt und das Stickstoffmonoxid im Plasma erhöht [7]. Dies ist vor allem eine gute Nachricht für Personen, die keine alkoholischen Getränke trinken, aber dennoch einige der gesundheitlichen Vorteile von Rotwein für sich nutzen möchten. Forscher vermuten, dass die in entalkoholisiertem Rotwein enthaltenen Polyphenole eine wichtige Rolle bei der Gefäßerweiterung spielen [2].

Antioxidantien und Polyphenole

Antioxidantien sind Stoffe, die eine Schädigung der Zellen verhindern oder verzögern können. Sie sind in vielen Lebensmitteln enthalten, darunter Beeren (Heidelbeeren, Preiselbeeren, Brombeeren, Erdbeeren), Bohnen (Pintobohnen, getrocknete rote Kidneybohnen, getrocknete schwarze Bohnen), Nüsse (Pekannüsse, Walnüsse, Haselnüsse) und Äpfel. Auch dunkle Schokolade ist reich an Antioxidantien. Antioxidans ist dabei ein sehr weit gefasster Begriff, der sich auf Hunderte von Substanzen bezieht, insbesondere auf Vitamin C, Vitamin E, Beta-Carotin, Vitamin A, Lycopin, Selen, Lutein und Polyphenole [9,10]. Zudem kann man Antioxidantien auch über Nahrungsergänzungsmittel wie Vitaminpräparate zu sich nehmen.

Während des Verdauungsprozesses wandelt der Körper die Nahrung in eine verwertbare Energieform um. Ein unvermeidliches Nebenprodukt dieses Prozesses ist die Bildung von freien Radikalen. Freie Radikale sind höchst instabile Moleküle, die es in allen möglichen Formen und Größen gibt. Freie Radikale verursachen “oxidativen Stress”, der Zellen schädigen kann und bei vielen Krankheiten wie Alzheimer, Diabetes, Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine Rolle spielen kann [9]. In einigen Studien wurde jedoch nachgewiesen, dass Antioxidantien den freien Radikalen entgegenwirken – auch wenn die Beweise bisher uneinheitlich sind [8,9]. In vielen Studien zeigte sich, dass die Einnahme einzelner Antioxidantien (wie Vitamin C oder Beta-Carotin) nur wenig Schutz vor verschiedenen chronischen Krankheiten wie Herzerkrankungen und Krebs bietet [9,10].

Die in Rotwein enthaltenen Polyphenole scheinen jedoch vorteilhaft zu sein und könnten tatsächlich gegen oxidativen Stress helfen. In einer kürzlich durchgeführten Studie wurden die Wirkungen von drei alkoholischen Getränken – Rotwein, Bier und Wodka – miteinander verglichen, wobei nur Rotwein einen Schutz vor oxidativem Gefäßstress bot [5]. Die in Rotwein enthaltenen Polyphenole (einschließlich Nichtflavonoide und Flavonoide) haben antioxidative, entzündungshemmende und potenziell antiatherogene Wirkungen [11].

Resveratrol

Resveratrol ist eine Art von Polyphenol, das in bestimmten Pflanzen und in Rotwein vorkommt, antioxidative Eigenschaften besitzt und entzündungshemmend wirken kann. Das im Wein enthaltene Resveratrol stammt speziell aus der Schale der Traube und kann möglicherweise Blutgerinnseln vorbeugen und das Wachstum von Krebszellen hemmen.

Die bisherige Forschung zu Resveratrol ist begrenzt. Der Großteil der Studien wurde an Tieren oder in vitro (an einzelnen Gewebeproben) durchgeführt, wobei es nur wenige Versuche am Menschen gibt. Einige der vorläufigen Forschungsergebnisse sind jedoch vielversprechend und zeigen zahlreiche kardiovaskuläre Vorteile von Resveratrol [1].

Fazit

Derzeit gibt es einige Hinweise darauf, dass ein oder zwei Gläser Rotwein pro Tag zur Vorbeugung von Herzkrankheiten beitragen können, allerdings sind die Ergebnisse nicht zu 100 % schlüssig. In Maßen genossener Rotwein scheint dennoch zur Senkung von Bluthochdruck beizutragen, was zum Teil auf die in der Traube natürlich vorkommenden Antioxidantien (Polyphenole) zurückzuführen ist. Außerdem geht mit dem Genuss von Rotwein scheinbar geringeres Risiko für Arteriosklerose einher, sodass ein mäßiger Rotweinkonsum durchaus empfehlenswert ist.

Referenzen

  1. Ronksley, P. E., Brien, S. E., Turner, B. J., Mukamal, K. J., & Ghali, W. A. (2011). Association of alcohol consumption with selected cardiovascular disease outcomes: a systematic review and meta-analysisBMJ (Clinical research ed.)342, d671.
  2. Di Castelnuovo, A., Rotondo, S., Iacoviello, L., Donati, M. B., & De Gaetano, G. (2002). Meta-analysis of wine and beer consumption in relation to vascular risk. Circulation105(24), 2836-2844.
  3. Van de Wiel, A., & De Lange, D. W. (2008). Cardiovascular risk is more related to drinking pattern than to the type of alcoholic drinksNeth J Med66(11), 467-473.
  4. Mukamal, K. J., Conigrave, K. M., Mittleman, M. A., Camargo Jr, C. A., Stampfer, M. J., Willett, W. C., & Rimm, E. B. (2003). Roles of drinking pattern and type of alcohol consumed in coronary heart disease in menNew England Journal of Medicine348(2), 109-118.
  5. Li, H., & Förstermann, U. (2012). Red wine and cardiovascular healthCirculation research111(8), 959-961.
  6. Di Castelnuovo, A., Costanzo, S., Bagnardi, V., Donati, M. B., Iacoviello, L., & De Gaetano, G. (2006). Alcohol dosing and total mortality in men and women: an updated meta-analysis of 34 prospective studiesArchives of internal medicine166(22), 2437-2445.
  7. Chiva-Blanch, G., Urpi-Sarda, M., Ros, E., Arranz, S., Valderas-Martínez, P., Casas, R., … & Estruch, R. (2012). Dealcoholized red wine decreases systolic and diastolic blood pressure and increases plasma nitric oxideCirculation research111(8), 1065-1068.
  8. National Center for Complementary and Alternative Medicine (NCCAM). Antioxidant and Health: An Introduction. http://nccam.nih.gov/health/antioxidants/introduction.htm.  Accessed April 05, 2022.
  9. Harvard School of Public Health. Antioxidants: Beyond the Hype. http://www.hsph.harvard.edu/nutritionsource/antioxidants/. Accessed April 05, 2022.
  10. Hennekens, C. H., Buring, J. E., Manson, J. E., Stampfer, M., Rosner, B., Cook, N. R., … & Peto, R. (1996). Lack of effect of long-term supplementation with beta carotene on the incidence of malignant neoplasms and cardiovascular diseaseNew England Journal of Medicine334(18), 1145-1149.
  11. Yang, Y., Chan, S. W., Hu, M., Walden, R., & Tomlinson, B. (2011). Effects of some common food constituents on cardiovascular diseaseInternational Scholarly Research Notices2011.
  12. Penumathsa, S. V., & Maulik, N. (2009). Resveratrol: a promising agent in promoting cardioprotection against coronary heart diseaseCanadian journal of physiology and pharmacology87(4), 275-286.

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