Ernährung: Wie ungesund künstliche Süßungsmittel wirklich sind


Sind künstliche Süßungsmittel wirklich ungesund? Nun, dazu muss zunächst einmaln gesagt werden, dass besonders Diätgetränke einen extrem schlechten Ruf haben. Doch haben sie diesen auch zurecht? Schließlich werden sei von vielen Fitnessexperten für zahlreiche negative Auswirkungen verantwortlich gemacht – angefangen bei ungewollter Gewichtszunahme bin hin zu drastischen Hormonstörungen …

Zahlreiche Untersuchungen haben mittlerweile ergeben, dass künstlich gesüßte Diätgetränke nicht zu einer Gewichtszunahme führen. Tatsächlich können sie sogar indirekt beim Abnehmen helfen, indem sie den Appetit reduzieren. Doch warum haben künstliche Süßungsmittel dann so einen schlechten Ruf? Wahrscheinlich aus den selben Gründen, warum viele Leute glauben, weißer Reis würde dick machen. Am Ende des Tages sind Ernährungsdogmen dann doch immer stärker als die Nährwertdetails.

Sorgen künstliche Süßungsmittel für eine Gewichtszunahme?

Die meisten negativen Studien über Diätgetränke und künstliche Süßungsmittel werden mit Ratten als Probanden durchgeführt – doch wenn die Ergebnisse dann an Menschen getestet werden, können sie meist nicht repliziert werden. Doch selbst wenn die Wissenschaft die Idee nicht unterstützt, dass Diätgetränke/künstliche Süßungsmittel direkt zu einer Gewichtszunahme führen, glauben viele Menschen immer noch, dass sie die Insulinsensitivität stören und dadurch die Speicherung von Fett erleichtern.

In einer neuen Studie der Oxford University mussten die Teilnehmer entweder zweimal am Tag ein künstlich gesüßtes Getränk oder kohlensäurehaltiges Wasser zu sich nehmen. Das künstlich gesüßte Getränk enthielt 129 mg Aspartam und 13 mg Acesulfam K, was ungefähr der Menge entspricht, die auch in eurem Lieblingsdiätgetränk enthalten sein dürfte. Die Ergebnisse der Studie? Nach 12 Wochen konnte man keinen Unterschied in Bezug auf die Insulinrezeption, Insulinsensitivität, das Körpergewicht oder den Taillenumfang feststellen. Der Konsum der Diätgetränke war genauso „schlecht“ (oder gut!) wie der des kohlensäurehaltigen Wassers.

Woman Adding Artificial Sweetener To Coffee

Haben künstliche Süßungsmittel einen negativen Einfluss auf die Gesundheit?

Um nicht nur den potentiellen Einfluss von künstlichen Süßungsmitteln auf das Körpergewicht wissenschaftlich zu erheben, sondern auch Klarheit über deren Ausiwkrungen auf die allgemeine Gesundheit zu gewinnen, haben Wissenschafter kürzlich eine Meta-Analyse mit 56 Studien (davon 21 kontrollierte Experimente) durchgeführt. Sie wollten herausfinden, ob es irgendeine Beziehung zwischen kalorienfreien Süßungsmitteln (wie Stevia, Splenda oder Aspartam) und einer Vielzahl von Dingen gibt, wie:

  • Essverhalten
  • Krebs
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Nierenerkrankungen
  • Stimmung
  • Verhalten
  • Gedächtnis

Die Ergebnisse? Jede Menge „nichts“. Hier ein Auszug aus den Schlussfolgerungen der Wissenschaftler:

„Die meisten Ergebnisse zeigten keine Unterschiede zwischen den exponierten [künstlicher Süßstoff] und den nicht exponierten Gruppen. Von den wenigen Studien, deren Ergebnis einen gesundheitlichen Einfluss aufgezeigt haben, hatten die meisten nur wenige Teilnehmer, waren von kurzer Dauer und wiesen erhebliche Mängel in Bezug auf ihre methodische und berichtende Qualität auf.“

Es ist auch an dieser Stelle wieder wichtig anzumerken: Bis heute stammen fast alle beängstigend klingenden Schlagzeilen über künstliche Süßstoffe aus der Forschung an Laborratten. Die hier gennante Meta-Analyse konzentrierte sich hingegen ausschließlich auf die Forschung mit gesunden oder fettleibigen Erwachsenen und Kindern.

Beeinträchtigen künstliche Süßstoffe die Darmgesundheit?

Während einige Menschen sich auch Sorgen über die Auswirkungen von Diätgetränken auf die Darmgesundheit (das Mikrobiom) machen, ist die Forschung in diesem Bereich noch sehr jungfräulich unterwegs. Wir haben jedoch festgestellt, dass einige künstliche Süßstoffe, obwohl sie nicht im klassischen Sinne „gefährlich“ sind, mehr Darmbeschwerden als andere hervorrufen.

Einer Studie aus dem Jahr 2019 zu Folge haben allerdings nur Saccharin und Sucralose einen Einfluss auf die Mikrobiotika im Darm, was bei großen Konsummengen unter Umständen zu Unwohlsein, Blähungen oder Durchfall führen kann.

Gibt es Gründe künstliche Süßungsmittel zu meiden?

Wie bei jedem anderen Lebensmittel auch, gibt es gute Gründe, künstliche Süßstoffe zu meiden. Wenn Ihr beispielsweise Diätgetränke genießt, euch danach aber unwohl fühlt, solltet Ihr diese in Zukunft besser meiden. Das bedeutet aber nicht gleich, dass Diätgetränke von Natur aus schlecht sind. Es bedeutet nur, dass sie nicht zu euch und eurem Körper passen – und das gilt für jedes Lebensmittel. Ihr braucht keine wissenschaftlichen Untersuchungen, um euch zu sagen, wann Ihr euch gut und wann Ihr euch schlecht fühlt. Darüber hinaus ist es – abhängig von mehreren Faktoren – auch möglich, dass künstliche Süßstoffe die Neurobiologie einiger Menschen beeinflussen und sie dazu bringen, sich stärker nach süßem Zeug zu sehnen. Dies bedeutet aber nicht, dass Ihr dadurch auch gleich an Gewicht zunehmt. So wie der verringerte Appetits, den einige Menschen nach dem Genuss von Diätgetränken verspüren, keinen Gewichtsverlust garantiert, sorgen potentielle Heißhungerattacken auch nicht direkt für eine Gewichtszunahme.

Fazit zu künstlichen Süßungsmitteln

Künstliche Süßstoffe werden oft missverstanden … und Dutzende von Studien zeigen, dass sie für die meisten Menschen ziemlich ungefährlich sind und tendenziell sogar eher beim Fettabbau helfen als diesen zu verhindern. Einfach ausgedrückt: „Weder gut, nocht schlecht“. Soweit wir bisher wissen (und dieses Zeug wurde inzwischen echt oft getestet), gibt es keinen Grund, Diätgetränke oder künstliche Süßstoffe zu fürchten – sofern Ihr diese Dinge in Maßen genießt. Kein Wunder also, dass auch die Mehrheit der großen Gesundheitsorganisationen (z.B. FDA, EFSA, FAO, WHO, JECFA) auf der Welt die künstlichen Süßstoffe befürwortet.

Wenn Ihr Diätgetränke oder künstliche Süßstoffe mögt und von eurem Körper gut vertragen werden, gibt es keinen zwingenden Grund, sie aufzugeben. Falls Ihr diese Diätprodukte allerdings ohnehin nicht mögt, gibt es auf der anderen Seite auch keinen Grund dafür, sie zu sich zu nehmen! 😉