Motivation: Einfach mal runterkommen


Mal abgesehen von all der Frustration und den ungewollten Veränderungen letztes Jahr, hat uns 2020 auch ausreichend Zeit gegeben, um über unsere Prioritäten als Sportler und als Menschen nachzudenken. Auch wenn die meisten von uns immer vom Fortschritt getrieben werden, so kann man manchmal erst dann seine Ziele erreichen, wenn man einfach mal runterkommt und die Dinge langsamer als gewöhnlich angehen lässt.

Wenn 2020 uns irgendetwas gelehrt hat, dann war es, wie unsere Ziele und Erwartungen zurückschrauben. Geschlossene Fitnessstudios, Reiseverbote, Lockdowns und ausgefallenen Wettkämpfe haben uns dazu gezwungen, unseren Alltag und unsere Trainingspläne neu zu justieren und uns mit der Frage auseinander zu setzen, warum wir uns überhaupt all die Mühe machen.

Für einige mag es vielleicht überraschen Klingen, doch für viele meiner Klienten wie auch für mich selbst war das Jahr 2020 extrem produktiv und hat uns dabei geholfen, neue sportliche und berufliche Bestleistungen zu erzielen. Es hat uns die Zeit gegeben, in den Spiegel zu schauen und uns die Frage zu stellen: Warum? Warum all das? Warum trainieren wir regelmäßig wie Verrückte? Warum streben wir nach einem bestimmten beruflichen, sportlichen oder gesellschaftlichen Zielen? Warum unterwerfen wir Geist und Körper dieser einer Sache, die wir mehr als alles andere auf der Welt anstreben?

Das Jahr 2020 hat uns gelehrt, unser Leben neu zu bewerten und in Frage zu stellen. Wir trainieren nicht nur um einen Wettkampf zu gewinnen – sondern vielmehr, um eine bessere Version von uns selbst zu sein: physisch, spirituell und emotional. Unsere größte Herausforderung besteht darin, uns ständig an das sich verändernde Umfeld anzupassen. Letztes Jahr hatten wir Zeit, zu erkennen, dass wir für einen höheren Zweck als nur einen Wettkampf, ein Lob von unserem Chef oder ein paar Freunde/Follower mehr in den sozialen Medien trainieren bzw. arbeiten.

Viele Menschen fanden im Jahr 2020 den Raum, den sie benötigten, um sich auf die Defizite zu konzentrieren, die sie in den vergangenen Jahren vernachlässigt hatten. Andere wiederum sahen 2020 als Gelegenheit, zu den Grundlagen zurückzukehren und sich darauf zu besinnen, warum sie den Sport oder Job, den sie ausüben, lieben. Wieder andere haben sich komplett neuen Dingen, Hobbys oder Sportarten gewidmet. Nun sind wir also hier, ein paar Monate im Jahr 2021. Und es sieht bisher nicht groß anders aus als das letzte Jahr. Was also, wenn uns auch das Jahr 2021 wieder enttäuscht, weil die erhoffte Normalität noch immer nicht eintritt? Werden wir uns auch damit abfinden und daran anpassen können?

Natürlich werden wir das – genauso, wie wir es bereits im letzten Jahr getan haben! Möglicherweise müssen wir uns in diesem Jahr erneut anpassen, aber wir werden dies mit den fünf wesentlichen Lektionen, die wir 2020 gelernt haben, nun wesentlich besser und effizienter tun können.

1. Die Dinge nicht überstürzen

Wenn Ihr wie ich und viele Freunde seid, habt Ihr wahrscheinlich einen ziemlich genauen Plan davon, wie 2021 aussehen soll und was Ihr in diesem Jahr alles tun und erreichen möchtet. Doch wir wissen nun, wie schnell unsere Pläne über den Haufen geworfen werden können, weil Veranstaltungen, Wettbewerbe oder ähnliche Dinge kurzfristig abgesagt werden. Nehmt euch also Zeit euch selbst zu reorganisieren und den Fokus auf eure Ziele zu legen. Wir alle wissen, wir anstrengend und nervenaufreibend es sein kann, diszipliniert auf ein Ziel hinzuarbeiten (zum Beispiel einen Wettkampf oder eine wichtige Deadline für ein Projekt). Doch wenn Maßstab für das Ziel dann abgesagt wird, denkt daran, dass es sich dabei eben auch nur um den Maßstab und nicht um das Ziel selber handelt. So werdet Ihr in Vorbereitung auf den Wettkampf zu Beispiel trotzdem ein enormes sportliches Potential aufgebaut und eure Fitness erheblich verbessert haben, auch wenn Ihr dies dann nun eben nicht mehr beim Wettbewerb selbst unter Beweis stellen könnt. Ähnlich ist es mit der Deadline für das Projekt oder einer wichtigen beruflichen Präsentation. In Vorbereitung darauf habt Ihr wahrscheinlich jede Menge neues Wissen akquiriert, sodass Ihr beruflich besser aufgestellt seid zuvor – auch ohne Präsentation etc. Denkt daran, dass es bei Erfolg nicht darum geht, an Wettkämpfen, Veranstaltungen, Projekten oder Präsentationen teilzunehmen. Es geht vielmehr darum, euch und eure Fähigkeiten fortwährend zu verbessern, um bessere Leistungen erzielen zu können – unabhängig davon, was in eurem Kalender steht.

2. Raum für den Prozess lassen

Wenn wir uns auf das Datum eines Ereignisses konzentrieren, können wir ergebnisbasierte Ziele definieren. Diese Ziele können eine bestimmte Platzierung bei einem Wettkampf, eine Beförderung oder die Anerkennung anderer Menschen sein. Denkt jedoch daran, dass unsere Ergebnisziele letztendlich alle von den Prozesszielen abhängen. Erfolg lässt sich in vielen Formen und Farben definieren, kommt am Ende des Tages aber davon, dass wir den Weg dahin entsprechend ebnen und gehen. Beim Bodybuilding könnt Ihr zum Beispiel noch so sehr den Sieg bei einem bestimmten Wettbewerb anstreben, wenn Ihr dann eure Ernährung und euer Training nicht entsprechend gestaltet und strukturiert werdet Ihr dieses Ziel niemals erreichen. Verpflichtet euch deshalb lieber dem Prozess selbst als den Zielen, die am Ende dieses Prozesses stehen. Ähnlich steht es auch im beruflichen Umfeld. Die erhoffte Beförderung geht 1-zu-1 mit euren Leistungen auf der Arbeit einher. Gute Leistungen könnt Ihr aber nur erbringen, wenn Ihr das notwendige Wissen, die notwendigen Kontakte und so weiter habt. Wer fortwährend an seinen Prozesszielen arbeitet, der wird früher oder später ganz automatisch erfolgreich sein! Wenn dann auch mal eine Veranstaltung, ein Wettkampf oder eine Beförderungsmöglichkeit ausfällt, habt Ihr immer noch die Prozessziele, an denen Ihr arbeiten könnt und mit denen Ihr dann beim nächsten Mal noch besser sein werdet. Die Formel ist super einfach: Prozessziele + Leistungsmaßstäbe = bessere Chancen, die gewünschten Ergebnisziele zu erreichen.

3. Den „Neustarteffekt“ nutzen

Geprägt von der Wharton School, beschreibt der Neustarteffekt, der auch als zeitlicher Meilenstein bekannt ist, den Zeitpunkt, an dem wir mental unseren inneren Schalter auf Neustart stellen. Wir alle kennen das von den Neujahrsvorsätzen bei der Planung eines neuen Trainings-/Ernährungsplans. Bei einem gefühlten Neustart fällt es uns einfacher, neue Gewohnheiten zu schaffen und Ziele festzulegen. Die Frage, die wir uns stellen müssen, ist jedoch, wie wir die neuen Ziele unter Berücksichtigung unserer Erfahrungen aus dem letzten Jahr definieren. Wie stellen wir sicher, dass wir produktive Ergebnisse anstreben? Die Neustartphase ist eine großartige Zeit, um aus dem, was wir letztes Jahr genossen haben und was gut oder nicht so gut funktioniert hat, Kapital zu schlagen. Mit dem, was wir aus dem letzten Jahr gelernt haben, haben wir jetzt einen Bezugspunkt zur Definition neuer Gewohnheiten und einen Rahmen für die beiden zuvor diskutierten Punkte: Die Dinge nicht überstürzen und Raum für den Prozess lassen.

4. Lerneffekte aufschreiben

Das neue Jahr ist erst ein paar Wochen alt. Wenn Ihr bisher nicht aufgeschrieben habt, was Ihr aus dem Jahr 2020 gelernt habt, solltet Ihr das nun nachholen. Am Ende des Jahres habt Ihr dann einen Bezugspunkt, auf den Ihr zurückblicken und euch fragen könnt, was funktioniert hat und was nicht. Das Aufschreiben von Dingen bzw. führen eines Erfolgstagebuchs ist eine großartige Möglichkeit, euch eurer erzielten Erfolge auch wirklich bewusst zu werden und euch mit anstehenden Herausforderungen auseinander zu setzen. Es ist wirklich beeindruckend, wie viele Menschen ihre Ziele erfolgreich erreichen, wenn sie die Lektionen aufschreiben, die sie gelernt haben, und diese Lektionen dann fortwährend an ihren neuen Zielen ausrichten.

5. Sich selbst herausfordern

Strebt immer danach zu wachsen – aber nicht durch die Teilnahme an Veranstaltungen oder Wettkämpfen, sondern durch euren Weg zum Erfolg. Nehmt euch Zeit, um darüber nachzudenken, wie Ihr die Dinge anders machen könnt und erfolgreicher zu werden und werdet dabei dann kreativ. Denkt daran, dass Veränderungen nicht nur für die Produktivität und den Fortschritt von Sportlern essentiell sind, sondern für alle Menschen. Herausforderungen, so hart sie auch sein mögen, können unser Leben immer bereichern! Also worauf wartet Ihr noch?