Fitness: Alles eine Frage der Einstellung? Wie Lachen die Leistungsfähigkeit steigern kann


Ändert eure Einstellung und Ihr verändert eure Leistungen – kann der Schlüssel zum Erfolg wirklich so einfach sein? Schon der kenianische Langstreckenläufer Eliud Kipchoge hat gesagt „wenn man lacht und glücklich ist, kann man den Geist dazu bringen die Beine gar nicht mehr zu fühlen“. Da war er, der erste Mann, der einen Marathon unter 2 Stunden lief und dabei den ganzen Weg über lächelte. Doch kann man durch Lachen wirklich die sportliche Leistungsfähigkeit verbessern?

Eines steht jedenfalls außer Frage: Wann immer Eliud Kipchoge lief, brüllten die Mengen in den Straßen und waren begeistert von seiner schier unglaublichen Willenskraft. Und wer würde nach einer so fantastischen Leistung, einen Marathon als schnellster Mensch überhaupt abzuschließen, nicht auch mit einem Lächeln durch die Ziellinie laufen?

Was aber, wenn ich euch jetzt sage, dass Kipchoge’s Lächeln weitaus mehr als nur der Ausdruck seiner Freude war?! Es gibt nämlich tatsächlich ein überzeugendes Argument dafür, dass der Gesichtsausdruck einen signifikanten Einfluss auf die sportliche Leistungsfähigkeit haben kann. Vielleicht ist der stoische Ausdruck, den viele professionelle Radfahrer annehmen, nicht nur ein „Pokerface“, das die Konkurrenz austricksen soll – vielleicht kann ein gelassener Gesichtsausdruck während des Sports direkt dazu beitragen, schneller zu fahren.

Die Facial-Feedback-Hypothese

Die Idee, dass die Mimik unsere Gefühlswelt beeinflussen kann, gibt es schon lange. In den 1800er Jahren schlug bereits Charles Darwin vor, dass unser Gesichtsausdruck unsere Gefühle verstärken kann, während die Unterdrückung von Gesichtsausdrücken dazu führt, dass die Emotionen reduziert werden. Diese These wurde als „Facial-Feedback-Hypothese (FFH)“ bezeichnet. Die Grundlage dieser Hypothese ist, dass euer Gesichtsausdruck eine kausale Rolle bei der Wahrnehmung von Emotionen spielt. Es gibt zahlreiche Unterkategorien der FFH, wobei die populärste die so genannte Modulation Theory ist, welche besagt, dass der Gesichtsausdruck unsere Gefühle entweder verstärken oder unterdrücken kann. Die FFH ist somit eine spannende Perspektive für Sportler. Können wir unsere Gefühle wirklich ändern, indem wir einfach unseren Gesichtsausdruck ändern? Tatsächlich scheint dies der Fall zu sein, denn seit Mitte des 20. Jahrhunderts haben zahlreiche Studien die FFH eindeutig bestätigt.

No pain, no gain

Wie die meisten von euch wissen, tut hartes Training weh. Oft sind es die Athleten, die den Schmerz am besten wegstecken können und ihre „Komfortzone“ weit hinter sich lassen, die am erfolgreichsten sind. Physiologisch haben Studien gezeigt, dass ein enger Zusammenhang zwischen der Stimmung eines Sportlers und diversen biologischen Eigenschaften besteht. Dabei besteht ein enger Zusammenhang zwischen dem Einsetzen der Blutlaktatakkumulation und einer Abnahme des positiven Effekts. Mit anderen Worten: Wenn ein Athlet beginnt, seine Laktatschwelle zu überschreiten, wird seine Stimmung „negativer“. An diesem Punkt beginnt in eurem Gehirn eine Art Verhandlungsprozess. Dann ist es an euch, zu entscheiden, wie sehr Ihr den sportlichen Erfolg wollt. Ist die Belohnung am Ende des Trainings den Schmerz wert, den Ihr dafür durchmachen müsst? Wenn eure Motivation den wahrgenommenen Schmerz übersteigt, könnt Ihr die Belastung aufrecht erhalten. Wenn der Schmerz jedoch stärker ist als euer Verstand, werdet Ihr nachgeben und die Intensität verringern oder das Training beenden.

Das Lächeln muss nicht echt sein

Was hat das Ganze nun aber mit eurem Gesichtsausdruck zu tun? Kurz gesagt: alles! Wenn wir nämlich den wahrgenommenen Schmerz verringern können, steigt die Wahrscheinlichkeit, den Kampf gegen unser Gehirn zu gewinnen, sodass es euch wesentlich leichter fällt, eure eigenen Grenzen zu überschreiten. Das Faszinierende dabei ist jedoch nicht, dass das Lächeln euch zu Höchstleistungen antreiben kann, sondern, dass es dafür nichtmal „echt“ sein muss. Das hat eine Studie aus den 1980er Jahren eindeutig nachgewiesen. Die Teilnehmer dort mussten einen Stift im Mund halten, entweder mit den Zähnen oder den Lippen, während sie eine Reihe von Cartoons betrachteten. Durch das Halten des Stiftes zwischen den Zähnen wurden die Muskeln, die zum Lächeln verwendet werden, zusammengezogen. Wenn der Stift zwischen den Lippen gehalten wurde, waren die Lachmuskeln gehemmt. Über den Zweck der Studie wurden die Teilnehmer nicht informiert. Die Ergebnisse zeigten, dass die Teilnehmer, die den Stift mit den Zähnen hielten, die Cartoons als viel lustiger empfanden als diejenigen, die den Stift mit den Lippen hielten. Durch einfaches Zusammenziehen der Muskeln, die für ein Lächeln verwendet wurden, wurde die Stimmung der Teilnehmer somit manipulativ verbessert. Das gleiche Konzept gilt auch beim Sport. Eine weitere Studie aus dem Jahr 2012 zeigte nämlich, dass die Teilnehmer beim Radfahren beim Lächeln eine signifikant geringere wahrgenommene Anstrengung hatten als beim Stirnrunzeln, während sie gleichzeitig von einer allgemein verbesserten Stimmung profitierten.

Euer Gesichtsausdruck ändert aber nicht nur eure Einstellung. Bei der Kontraktion von Muskeln, die mit einem Stirnrunzeln verbunden sind, haben Forscher einen drastischen Anstieg der Herzfrequenz festgestellt. Es wird angenommen, dass eine Kontraktion dieser Muskeln eine Stressreaktion in eurem Körper auf ähnliche Weise signalisieren kann, wie sich eure Herzfrequenz erhöhen würde, wenn Ihr wütend oder ängstlich wärt. Es wird angenommen, dass Ihr eurem Körper durch Stirnrunzeln praktisch sagt, dass Ihr in Not seid, selbst wenn Ihr euch in einem ruhigen emotionalen Zustand befindet. Indem Ihr lächelt oder einen ruhigen Ausdruck bewahrt, könnt Ihr eurem Körper im quasi signalisieren, dass Ihr nicht in Schwierigkeiten seid.

Fazit

Vielleicht habt Ihr euren Gesichtsausdruck nie als Mittel zur Leistungssteigerung gesehen. Wenn Ihr jedoch in Zukunft auf eure Körpersprache achtet, könnt Ihr damit beeindruckende Erfolge erzielen. Harte Anstrengungen werden sich leichter anfühlen und Ihr werdet in der Lage sein, die Schmerzgrenze ein wenig weiter zu verschieben. Wenn Ihr auch in Zeiten höchster Anstrengung einen ruhigen oder glücklichen Ausdruck bewahrt, könnt Ihr dadurch die positiven Emotionen kanalisieren und die negativen unterdrücken.

Die meisten Athleten sind immer auf der Suche nach Möglichkeiten, um ihre Leistung zu verbessern. Wenn Ihr euch eures Gesichtsausdrucks bewusst seid, werden Ihr zwar nicht über Nacht zum Weltmeister, aber es ist eine einfache (und kostenlose) Modifikation, die eure Leistung dauerhaft verbessern kann. Denkt beim nächsten Training also an euren Gesichtsausdruck. Neigt Ihr bei starken Anstrengungen zu Grimassen? Dann versucht in Zukunft, einen gelassenen Gesichtsausdruck oder sogar ein kleines Lächeln auf eure Lippen zu zaubern – Ihr werdet den Unterscheid schnell bemerken!